Ich bin keine Mama

Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt, warum ich nicht mal über das Buch von den ehemaligen Mamabloggerinnen Nicole Althaus und Michèle Binswanger schreibe. Es heisst „Macho-Mamas. Warum Mütter im Job mehr wollen sollen“. Meine Antwort lautet: weil ich es nicht gelesen habe. Dann kommt normalerweise: Warum liest du es dann nicht? Und darauf muss ich jeweils sagen: weil ich keine Lust habe.

Bei aller Sympathie für die beiden Autorinnen und grösster Wertschätzung ihrer Arbeit, ausserdem bin ich ziemlich sicher, dass ich über weite Strecken des Buches absolut d’accord gehen würde mit ihnen, aber ich werde das Buch nicht lesen und dafür gibt es zwei Gründe. Erstens nimmt mich meine Rolle als Mutter schon genug in Anspruch, und ich habe wirklich überhaupt gar kein Bedürfnis, die wenige Zeit, in der es nicht ums Muttersein geht, auch noch damit zu verbringen, über das Muttersein zu lesen.

Zweitens: Mama. Ich hab ein Problem mit dem Wort. Das Wort Mama, von Erwachsenen geäussert, empfinde ich als abwertend. Es verniedlicht, es macht auch ein bisschen lächerlich, und es verdrängt alle anderen Facetten, die eine Frau haben kann. Es ist ähnlich wie beim deutschen „Mutti“ – eine Mutti ist die biedere, bornierte Einfamilienhausfrau. Nennen Sie eine deutsche Mutter mal „Mutti“ und schauen Sie, was passiert. Und genauso klingt bei Mama etwas mit – eine Weichheit, ein Geruch, bequeme Jeans, bequeme Schuhe, ein neuer Haarschnitt, der sich besser mit dem Kind verträgt. „Ich bin jetzt eine Mama“, das ist nicht der gleiche Satz wie „Ich bin jetzt Mutter“ oder „Ich habe jetzt ein Kind“. Wenn man mal eine Mama ist, ist man sonst nicht mehr viel.

Vielleicht ist es aber auch ironisch und total fortschrittlich, sich als Mutter selbst Mama zu nennen und Mamablogs zu schreiben und Machomama zu sein und Mamayogakurse zu besuchen. Vielleicht ist es der gleiche Mechanismus der Selbstreferenz wie mit „Nigger“, als sich Schwarze selber so zu bezeichnen begannen oder mit „Bitch“, seit sich Frauen untereinander so nennen.

Wobei – was genau ist nochmal passiert mit diesen Wörtern? Eigentlich überhaupt nichts.

Ich jedenfalls bin nur für meinen Sohn die Mama, für jeden anderen bitteschön Frau Roten, Michèle, von mir aus Mischi, ey Alter, was auch immer.